Lost Places

Lost Places – Verlassene Ort, die faszinieren, Tore zu einer längst vergessenen Zeit

Für mich sind die Lost Places Zwischenwelten – Zeitkapseln, die in eine vergangene Zeit entführen. Was fasziniert einen Fotografen an diesen verlassenen Orten und verfallenen Gemäuern? Wieso macht man sich auf die meist gefährliche Suche nach solchen düsteren und dunklen Kulissen? Muss man von allen Geistern verlassen sein, um in baufälligen Ruinen seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um dann vielleicht nur eine vergammelte Couch in einem verrotteten Keller vor die Linse zu bekommen?

Zum einen ist es ein besonderer Reiz, solche Orte zu finden und vielleicht sogar als erster aufs Bild zu bannen. Zum anderen sind es die Geschichten, die Menschen und Schicksale hinter den Bildern. Auch der Betrachter fühlt sich in eine andere Welt versetzt und überlegt, was wohl der Hintergrund zu dem Bild sein könnte. Wer hat an diesem Ort gelebt, weshalb wurde er verlassen und ist in Vergessenheit geraten?

Urban Explorer gehen auf die Suche nach verlassenen Orten. Das können Ruinen, leer stehende Häuser, ehemalige Krankenhäuser, verlassene Kirchen, alte Industrieanlagen oder unbewohnte Dörfer sein. An diesen Orten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, die besondere Atmosphäre und die meist ungeklärte Frage nach dem Grund macht die Faszination am Urbexen aus. Es ist wie eine fotografische Schatzsuche.

Für meine Fotoserie über Lost Places habe ich Mitteleuropa, insbesondere auch den Alpenraum besucht (oder besser gesagt abgesucht). Hinter jedem Foto stehen Menschen und ihre Lebensgeschichten, Schicksale, traurige wie glückliche Tage. Auf meinen Bildern gibt es einstmals prunkvolle Herrschaftshäuser, die märchenhaft im Dornröschenschlaf liegen, aber auch Ruinenlandschaften längst verlassener Dörfer, still gelegte Minen oder halb verfallene Geisterhäuser. Als Fotograf wird man dabei zum Entdecker. Das beginnt bei der ersten Recherche und geht bis zur Suche nach einem geschichtsträchtigen Ort. Passende Motive zu finden, ist nicht einfach. So habe ich mich auf eine zeitaufwendige Suche gemacht, indem ich mühevoll Satellitenaufnahmen studiert und ausgewertet habe. Manchmal stößt man auch in einschlägigen Blogs auf Hinweise und manchmal ist es auch der pure Zufall, der dich ein tolles Objekt finden lässt.

Bei meinen Recherchen über einzelne Motive bin ich allerdings nur auf wenige Hintergrundinformationen gestoßen. Bisweilen wissen noch ansässige ältere Einwohner etwas über einzelne Ruinen, detaillierte schriftliche Unterlagen gibt es nicht bei jedem Objekt. So bleibt oft nur die Fantasie, um der Frage nachzugehen, wieso manche Orte so fluchtartig verlassen wurden. In einem alten Bauernhof stand noch die Weinkaraffe auf dem Tisch, daneben ein alter Kinderstuhl, voller Spinnweben. Szenen wie aus einem Gruselfilm. Man wartet fast darauf, dass die Bewohner jedem Moment wieder zur Tür herein kommen, um das Geisterhaus mit Leben zu füllen.

Was mir den Zugang für das Projekt geebnet hat, war die seit meiner Kindheit bestehende Liebe zu Düsterem und Märchenhaftem. Hinzu kam dann die Möglichkeit, mein Metier Landschaftsfotografie mit der Architektur zu verbinden. Ziel ist es, deinem Publikum den gleichen Blick auf das Motiv zu ermöglichen, wie ich es selber hatte. Das Gebäude mit seiner Landschaft so in ein Bild zu setzen, damit es dem Leser möglich ist, deine Emotionen zu spüren. Auf meinen Bildern soll sich widerspiegeln, was ich fühle. Mein Herzklopfen, das Adrenalin und mulmige Gefühl beim Betreten dieser verlassenen Ruinen. Ich möchte mein Publikum mit auf die Reise nehmen und es teilhaben lassen an den Farben, Geräuschen, Gerüchen und oft gruseligen Stimmungen, die ein vergessener Ort ausstrahlt und vermittelt. Dabei spielt auch das Licht eine große Rolle. So habe ich immer mit frühem oder spätem Tageslicht gearbeitet, da natürliches Licht, die Orte authentischer macht und die Atmosphäre des Bildes verstärkt. Licht und Schatten sind quasi das Gefühl in der Landschafts- und Architekturfotografie.
Es obliegt dem Können des Fotografen, dass der Betrachter sich vorstellen kann, wie es knarrt und knirscht. Die modrigen Gerüche sollen einem in die Nase steigen. Man soll teilhaben an dem Grusel und der Aufregung, die ich als Fotograf gespürt habe. Es soll sichtbar werden, was sich an dem Ort vielleicht einmal abgespielt haben könnte.
Ebenso braucht man ein gutes Auge für Motive, für scheinbare Kleinigkeiten, die deinem Bild aber erst Leben einhauchen. Man sollte auch ungewöhnliche Blickwinkel und Perspektiven wählen, um den Charakter deiner Lost Places hervorzuheben. Eine Verschiebung der Perspektive kann die Stimmung eines Bildes stark beeinflussen.

Urbexing erfreut sich zunehmender Beliebtheit, was auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Leider werden Lost Places heute vermehrt durch Vandalismus und Unvernunft beschädigt, oft treten sich die Fototouristen auch gegenseitig auf die Füße. Dabei gibt es den Urbexer-Kodex: Niemals Spuren hinterlassen, den Ort respektvoll behandeln. Ist ein Gebäude verschlossen und nicht zugänglich, muss man dies respektieren. Daher verzichte ich bei den Objekten bewusst auf eine genauere Ortsangabe. Ein verlassenes Objekt verliert seinen Charme, wenn es durch Graffitis oder Müllreste verunstaltet wird. Das ist auch ein Grund dafür, dass Urban Explorer Stillschweigen über ihre besten Fundstücke bewahren.
Auch sollte man nie unvorbereitet auf so eine Fotosuche gehen. Gute Ausrüstung, passende Bekleidung und eine Begleitperson zählen zu den Grundvoraussetzungen, möchte man sich auf eine solche Tour machen. Es drohen immer Verletzungen in den maroden, baufälligen Gebäuden. Lieber ein Risiko zu wenig als eines zu viel.

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